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Rezension: I'm feeling lucky von Douglas Edwards

Zwei glückliche Umstände haben dabei geholfen, dass "I'm feeling lucky" [ISBN:  978-1846145131] überhaupt geschrieben wurde. Zum einen, dass Google als 59. Mitarbeiter ausnahmsweise mal keinen Techniker, sondern mit Douglas Edwards einen Marketingmann eingestellt hat, der eine andere Sichtweise auf Googles Innenleben hatte als viele seiner Kollegen. Zum anderen, dass dieser den Zeitaufwand für das Verfassen seines Insiderberichts deutlich unterschätzt.*¹

Lohnt es sich für den Leser? Ich meine: "Ja!"

Google ist zwar oft in den Medien präsent, angefangen bei Blogs und Podcasts über die Wirtschaftspresse bis hin zu Tageszeitungen und Fernsehen. Dennoch bleibt einiges an Unbekanntem übrig, von dem weder Google-Mitarbeiter noch Analysten oder Wagniskapitalgeber erzählen. "I'm feeling lucky" gibt daher dringend nötige Einblicke in ein Unternehmen, das innerhalb eines Jahrzehnts von einer kleinen Klitsche zu einem Milliarden-Dollar-Unternehmen aufgestiegen ist und mittlerweile auf vielfältigen Wirtschafts- und Technologiefeldern mitspielt.

Douglas Edwards erzählt vom ersten Datencenter, in dem Google einen Raum gemietet hatte; dem Umgang mit Spam und Pornographie; den Unternehmensgründern Sergey Brin und Larry Page; dem Umgang mit Konkurrenten; seinem Arbeitsalltag als 'Consumer Brand Manager' und vielem mehr.

Klasse ist, dass viele der ehemaligen Kollegen bereitwillig Auskunft geben und der Leser die Möglichkeit hat, Google nicht nur aus der Sicht des Autors kennenzulernen.

Douglas Edwards geht auch angenehm kritisch mit sich selbst ins Gericht: er beschreibt sich als manchmal sehr überfordert, gleichzeitig stark (mit bisherigen Berufserfahrungen) vorbelastet und angesichts der vielen Computer-Freaks manchmal fehl am Platze fühlend. Bei seinem Eintritt ins Googleversum war er bereits 41 Jahre alt und damit doppelt so alt wie viele andere. Mit Frau und drei Kindern kommt ihm angesichts der (zum damaligen Zeitpunkt noch weitgehend wertlosen) eigenen Aktienoptionen ein Gefühl der finanziellen Unsicherheit.

Dennoch ist die Stimmung im Unternehmen natürlich auch für ihn äußerst anregend. Ständig passiert etwas Neues, begibt sich Google in immer neue unbekannte Gewässer. Eine gute Beschreibung liefert folgender Absatz:

"So much activity took place simultaneously that the linear narrative of this book flattens the immersive 3D experience into an unrecognizable shape. Maybe if you tear out the pages, throw them into the air, and read from them randomly as they flutter down around you, you'll get a better feel for what it was like."*²

An vielen Stellen gibt es Hinweise auf eine Besessenheit mit Daten. Diese werden im Arbeitsalltag ständig gesammelt und wiegen (fast) immer schwerer als andere Ansätze, wie z.B. Bauchgefühl und Erfahrung. Der Autor schreibt von einer "[...] atmosphere where every breath inhaled stats and exhaled analysis."*³ Daher bleibt auch ihm selbst nichts anderes übrig, als bei Verhandlungen mit den Chefs, direkten Vorgesetzten oder Kollegen eigene Vorschläge mit Statistiken und sonstigen Zahlen zu untermauern.

Fazit:

"I'm feeling lucky" ist flüssig zu lesen und sehr informativ. Es vermittelt einen guten Eindruck davon, wie es in den Anfangsjahren bei Google war. Und was es hieß, für die beiden sehr anspruchsvollen, intelligenten und unkonventionellen Unternehmensgründer Larry Page und Sergey Brin (sowie später noch den CEO, Eric Schmidt) tätig zu sein.


*¹ Douglas Edwards verrrät im "This Week in Google"-Netcast 106, dass er mit dem Schreiben des Buches nicht begonnen hätte, wenn er vorher gewusst hätte, wieviel Zeit es in Anspruch nehmen würde.

*² S.103; Taschenbuch-Ausgabe

*³ S. 247; ebd.

17.8.11 19:12
 
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