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Rezension: In the Plex von Steven Levy
Googles Geschichte Bereits 1995-96 beginnt Larry Page, die Informationen im Internet zu sortieren und zu bewerten, und zwar anhand aller auf einer Webseite eingehenden Links. Dazu holt er sich Unterstützung u.a. bei Sergey Brin, einem Mathegenie. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch ein paar weitere Computerspezialisten, die sich mit der Suche im Internet befassen. Doch es sind Brin und Page, die die größten technischen Fortschritte machen. Ihre zuerst noch BackRub genannte Unternehmung wird im September 1997 in Google umbenannt und ein Jahr später als Firma eingetragen. Zum gleichen Zeitpunkt stellen sie auch ihren ersten Mitarbeiter ein, einen Kommilitonen aus Stanford. Schon relativ schnell ist ihnen bewusst, dass zur weiteren Expansion der Suchmaschine einiges an Geld benötigt wird. Denn die stetig und vor allem rapide wachsende Zahl an Internetseiten verlangt eine damit schritthaltende Ausstattung an Hardware. Daher bleibt den beiden 1999 nichts anderes übrig, als auf die Suche nach Wagniskapital zu gehen. Fündig werden sie u.a. bei John Doerr von Kleiner Perkins und Mike Moritz von Sequoia Capital, die die beiden Unternehmensgründer richtig einzuschätzen wissen und dann auch sogar zusammen investieren -- etwas, das bis dahin noch nicht vorgekommen war.*1 Da das Unternehmen aber in den roten Zahlen steckt und noch keine größeren Einnahmen absehbar sind, müssen die Googler bei allem, was sie machen, auch immer sehr genau auf die Kosten achten. Dies führt zu einigen findigen Lösungen, wie z.B. der extremen Überbelegung ihres Serverabteils bei Exodus oder aber der Übertragung aller Daten von einem neuen Serverstandort (an der US-Ostküste) innerhalb eines kurzen Zeitraumes, weil der Betreiber diese kurzfristige Extremnutzung automatisch herausrechnet und sich nicht bezahlen lässt. Kurze Zeit später fängt Google dann aber bereits mit dem Bau eigener Datenzentren an. Nachdem Standorte gefunden sind, die den Anforderungen entsprechen, wird mit den Vertretern von Städten und Energieunternehmen verhandelt. Auch dabei lässt man nicht locker, die gewünschten Konditionen zu erhalten und dadurch viele Dollar einzusparen: "Then Google worked with the state to get fifteen years of tax relief, only the second time in Oregon history that a company had received a break of that length."*2 Steven Levy erläutert dann aber, wann und auf welche Weise Googles Haupteinnahmequellen, AdWords und AdSense, ins Leben gerufen werden und wie sie funktionieren. Und dass von Anfang an die komplette Geheimhaltung aller Informationen bezüglich dieser Gelddruckmaschinen ganz, ganz wichtig ist. "Those who knew the secret -- virtually everyone working at Google -- were instructed quite firmly to keep their mouths shut about it."*3 Ein Grund dafür ist natürlich, einen der größten und finanzstärksten Player nicht auf sich aufmerksam zu machen: "The new CEO [Eric Schmidt] was worried about Microsoft. In the 1990s, at Sun Microsystems and then as leader of the networking company Novell, Schmidt had seen what happened when the 800-pound gorilla of high tech had awakened to a threat to its livelihood, the Internet."*4 Der Autor betont die Bedeutung von Eric Schmidt für das Unternehmen, ganz besonders in seinen Anfangsjahren und zum Zeitpunkt von Googles Börsengang im Jahre 2004. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf Schmidts Funktion, eine Art Puffer zwischen den Gründern und der Außenwelt darzustellen. Aber auch, um ihre Aussagen näher zu erklären und ihre Ansichten als Technik-Geeks verständlicher zu machen. Leider (aber vielleicht insgesamt besser für das Buch) geht Steven Levy nicht der Frage nach, ob Google ohne einen CEO von außen nicht ebenso gut gefahren wäre. Wenn z.B. Larry Page die Rolle offiziell eingenommen und behalten hätte. Denn neue Produkte werden bei Google entweder von den eigenen Technikern erdacht und entwickelt oder aber in Form eines anderen Unternehmens dazugekauft. Und vielleicht bremst Eric Schmidt einige neue Ideen und Dienste, die Sergey und Larry ohne ihn vielleicht in Angriff nehmen würden. Neben dem Einblick in die Entstehung von Google Search und dem Ad-Network beschreibt Levy die Anfänge und die beteiligten Personen bei vielen weiteren Produkten -- darunter einige Knaller wie YouTube, Gmail, Android und Earth, aber auch Rohrkrepierer wie Knol und Google Video. Und er geht auf die (teilweise mit großem Paukenschlag der Öffentlichkeit vorgestellten) Dienste Buzz, Wave und +1 ein, Googles erste drei Schritte in Richtung eines Social Networks. Gut ist auch das sechste Kapitel, das sich mit Googles Markteintritt in China beschäftigt. Trotz einiger Bedenken vor allem bei Sergey Brin entscheidet man sich, seine Suchdienste auch im Reich der Mitte anzubieten -- selbst wenn das bedeutet, den Forderungen der Regierung nach Selbstzensur nachzugeben. Googles Offenheit im Umgang mit den Nutzern führt aber dazu, dass man auf jeder Seite mit ausgeblendeten Suchergebnissen darüber informiert, dass hier etwas blockiert wurde. Das China-Abenteuer findet dann aber weitestgehend sein Ende, als Hacker in Googles interne Systeme eindringen und sowohl Unternehmens- als auch Nutzerdaten stehlen.*5 Das letzte Kapitel von 'In the Plex' beschäftigt sich mit Umgang zwischen Google und staatlichen Stellen (außerhalb Chinas). Angefangen bei der Unterstützung von Obamas Wahlkampf durch einige Googler bis hin zu den Untersuchungen seitens US-amerikanischer und europäischer Kommissionen, die heutzutage aufgrund von Googles Größe immer häufiger vorkommen und der Frage nachgehen, ob der Konzern im Falle einer Übernahme eines Konkurrenten eine monopolistische Stellung einnimmt.*6 Auch wird in diesem Teil über die Anfänge von 'Google Book Search' gesprochen -- ein Projekt, das schon allein für sich Googles Mission verdeutlicht, alle Informationen der Welt zugänglich zu machen. Das aber aufgrund von Urheberrechtsfragen unter keinem besonders guten Stern steht... Fazit: 'In the Plex' liefert einen sehr fundierten und detaillierten Einblick in Googles bisherige Geschichte. Es ist interessant geschrieben und gut lesbar. Im Gegensatz zu Douglas Edwards' Google-Buch 'I'm feeling lucky' geht es etwas großflächiger und objektiver an die Entstehung und Fortentwicklung des Unternehmens heran, welches heute am Börsenwert gemessen zu den weltgrößten gehört. Außerdem ist der hier beschriebene Zeitabschnitt fast doppelt so lang: während 'I'm feeling lucky' 1999 beginnt und mit Edwards' Kündigung 2005 endet, läuft 'In the Plex' bis zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung im ersten Halbjahr 2011 weiter. Dennoch: Beide Werke ergänzen sich gut und liefern dem Leser eine Menge an Informationen. *1 S. 74; Gebundene Ausgabe; 2011 *2 S. 193; ebd. *3 S. 69; ebd. *4 S. 70; ebd. *5 wenn mich nicht alles täuscht, ist Google von den damals insgesamt 40 (!) gehackten Unternehmen bis heute das einzige, dass den Einbruch in seine Systeme und den Diebstahl von Daten öffentlich zugegeben hat *6 wobei die Intelligenz beim Technologiekonzern zu finden ist und eher nicht bei den staatlichen Stellen: z.B. geht die Übernahme von DoubleClick so gut wie problemlos über die Bühne
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